Teil 3 unseres Reiseblogs. Wir haben die Mongolei erreicht. Das Reich des Dschingis Khan. Etwa 4,5 mal größer als Deutschland sieht es auf der Weltkarte, eingebettet zwischen den Riesenreichen China und Rußland, doch irgendwie klein aus. Und das wird uns gleich zu Anfang auch schon zum Verhängnis. Eine „kleine“ Schleife auf dem Weg nach Ulaanbaatar, der Hauptstadt, führt uns zum Kloster Amarbayasgalant und damit zu zwei intensiven Tagen offroad. Die Mongolei ist das Land mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Im gesamten Land leben weniger Menschen als in unserer Hauptstadt Berlin. Straßen hat es nur wenige. Der Mongole sucht sich den Weg durch unglaubliche Weiten halt selbst.

Doch zunächst verlassen wir nach einer Rundtour auf übelsten Wellblechpisten die Insel Olchon im Baikalsee. Es geht viele viele Kilometer um den Südzipfel des Sees nach Ulan-Ude, wo wir Moritz besuchen. Einen Deutschen, der gemeinsam mit seiner russischen Frau ein Overlandercamp beginnt aufzubauen, am Rande von Ulan-Ude. Auf der dreitägigen Reise in Richtung Grenze Mongolei finden wir traumhafte Übernachtungsplätze, einen direkt am Ufer des Baikalsees. Doch der letzte Nachtplatz, etwa 50 Kilometer vor der Grenze, hat es in sich. Wie so oft fahren wir von der Hauptstraße ab auf einen Feldweg. Nach etwa 5 Kilometern finden wir eine herrliche Lichtung. Was wir in unserer Naivität nicht erkennen: wir stehen mitten in einem illegalen Marihuanafeld. Was uns zunächst abendlichen Besuch der Miliz beschert. Mit Händen, Füßen und spärlichen Englischbrocken machen wir klar, dass wir hier nur schlafen möchten. Wohlwollend genehmigt man uns diese Übernachtung, aber nicht ohne uns stolz die mitgeführten Waffen zu präsentieren. Wir dachten, mit dem Segen der Polizei könnte nun nichts mehr schief gehen. Leider haben wir die eher missgelaunten Eigentümer des Feldes nicht bedacht, welche uns zunächst aus dem Schlaf und dann aus der Kabine hinaus hupen und rufen. Nachdem wir in stockdunkler Nacht den beiden finsteren Gesellen klar gemacht haben, dass wir nur auf der Durchreise sind und ein paar Stunden Schlaf brauchen, entschuldigt man sich und wünscht uns eine gute Nacht. Und wieder setzen uns die Russen in Erstaunen.

Am nächsten Morgen brechen wir sehr früh auf, um die als gnadenlos schwierige und extrem zeitraubende (Reisende berichten von mehr als 8 Stunden bis hin zu Tagen) verschriene Grenze zu erreichen. Wir verlassen Rußland, dieses Riesenland, welches uns mit seinen Menschen und gewaltigen Dimensionen fasziniert hat. Wir haben keinerlei Korruption oder Aggression erlebt. Auch die Grenz- und Polizeikontrollen waren penibel, aber überaus korrekt. Also kurz gesagt: ganz anders als propagiert.

Kurz vor der Grenze tanken wir noch einmal voll und lernen Giulio aus Italien kennen. Er ist Lehrer und reist alleine im Toyota Hilux ein halbes Jahr durch Rußland und die Mongolei. An der Grenze treffen wir uns wieder. Ausreise aus Rußland inklusive Vorstellung von Benny beim Grenzveterinär und ausgiebiger Inspektion unseres Fahrzeuges. Einreise in die Mongolei mit Registrierung von Menschen, Hund und Fahrzeug, Inspektion der Ausrüstung, Desinfektion der Reifen und Erstattung einer Straßennutzungsgebühr. Alles in allem: nach zwei Stunden haben wir die Prozedur hinter uns. Der schwer bewaffnete Zöllner im Tarnfleckanzug hebt die Schranke mit den Worten: Welcome to Mongolia. Hinter der Grenze dann Abschluss einer Kraftfahrzeugversicherung, Tausch von 400,- € in 1,2 Millionen Tugrik (endlich Millionär) auf offener Straße und, ganz wichtig, die Beschaffung einer mongolischen SIM-Karte. Ohne irgendwelche Formalitäten erstehen wir eine SIM-Karte inklusive 4000 Minuten Inlandstelefonie und 25 GB Datenverkehr für unglaubliche 3,10 €. Alleine die 25 GB Datenvolumen würden uns im (exkusiv per SMS von O2 angebotenen) Schnäppchentarif meines Heimatvertrages 2.500,-€ und in der extra für weltweit günstige Telefonie beschafften Lufthansa-Mobile-Karte schlappe 4.750,- € kosten. Was werden wir in Deutschland von den Netzanbietern doch über den Tisch gezogen. Lieber Gott, lass uns keinen Fehler bei den Roaming-Einstellungen machen…

Um 10:00 Uhr morgens haben wir also bereits alle Formalitäten erledigt und fahren gemeinsam mit Giulio in Richtung Ulaanbaatar. Auf halber Strecke biegen wir ab Richtung Westen. Ich möchte das legendäre Kloster Amarbayasgalant besuchen. Schon kurz nach dem Abzweig wird aus der Straße eine Piste, welche für uns eine echte Herausforderung darstellt. Schräglagen, die uns nah an die Kippgrenze bringen, Steigungen, die nur mit Untersetzung und Differentialsperre bewältigt werden können. Diverse Schlammpassagen und Flußdurchquerungen.  Wir setzen mehrfach schwer auf und reißen uns u.a. die Eintrittsstufen in die Kabine ab. Kurzum, wir erreichen die nur etwa 50 Kilometer Fahrstrecke entfernte Klosteranlage nicht mehr vor Sonnenuntergang. Gemeinsam campieren wir in grandioser Landschaft. Wildpferde kommen vorbei. Greifvögel drehen ihre majestätisch anmutenden Runden über uns. Und in der Nacht schubbeln sich Kühe den Rücken an unseren Fahrzeugen und schaukeln uns in den Schlaf. Das genau sind die Momente, für die sich aller Aufwand und alle Strapazen lohnen.

Am nächsten Morgen geht es dann beschwerlich weiter. Wir erreichen gegen Mittag die beeindruckende abgeschiedene Klosteranlage und  erleben zufällig eine beeindruckende buddhistische Zeremonie. Giulio ist so sehr angetan, dass er dort im Kreise der Mönche eine Nacht verbringen möchte. Wir verabschieden uns herzlich und brechen auf, um in einer großen Schleife nach Ulaanbaatar zu fahren. Nur etwa 350 Kilometer. Wir wollen bereits am Abend dort ankommen. Die nächsten 8 Stunden schaffen wir auf mongoleitypischer Piste keine 80 Kilometer. Uns wird bewusst, dass unser Zeitplan für die Mongolei deutlich zu ambitioniert ist. Haben wir für 100 Kilometer üblicherweise 2 bis 4 Stunden angesetzt, so müssen wir uns nun damit anfreunden, dass es sehr schnell auch 10 bis 20 Stunden werden können. Aber was soll’s: wieder stehen wir im Nirgendwo mit grandioser Kulisse und schließen den Tag mit Rotwein und Wodka.

Die ersten etwa 110 Kilometer geht es auf schlechter Piste weiter. Unterwegs werden wir von einer mongolischen Familie angehalten, die sich an in ihrem überladenen Suzukikleinwagen eine Stoßdämpfer – und Achsaufhängung herausgerissen haben. Dank unserer guten Werkstattausrüstung bekommen wir in ein paar Stunden das Fahrzeug provisorisch so weit repariert, dass es für die Familie weitergeht.

Gegen Abend erreichen wir Ulaanbaatar, durchqueren bei katastrophalem Verkehr die Stadt und quartieren uns in der Riverpoint-Lodge, DEM Overlandertreffpunkt im Umkreis von 5.000 Kilometern, ein. Wir verbringen den Folgetag mit anstehenden Reparatur- und Wartungsarbeiten, einer Grundreinigung von Mensch und Kabine, Wäschewaschen und Kommunikation.

Die Mongolei hat uns bereits in den ersten Tagen fasziniert. Und doch wissen wir: alles bisher war nur Vorspiel. Wir brechen nun auf in die endlosen einsamen Weiten der Gobi, einer der größten Wüstengebiete unserer Erde.

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