Teil 7 unseres Reiseblogs

Unser letzter Beitrag endete in Polen.

Wir lassen es nun etwas ruhiger angehen. Ganz langsam kommt wieder so etwas wie Urlaubsstimmung in uns auf. Auch wenn es täglich regnet und mittlerweile bitterkalt ist. Aber wir haben ja eine Gasheizung. Eine der wenigen Dinge, die noch funktionieren. Bis zum Führerhauptquartier, der Wolfsschanze. Dort lässt uns dann auch die Heizung im Stich, bei Temperaturen zwischen 1 und 10 Grad Celsius. Klamotten und Hund werden nicht mehr trocken und wir frieren vor uns hin. Erst zurück in Deutschland sorgt der Austausch des Druckminderers für ein Funktionieren der Heizung. Aber da hat es dann ja schon wieder Temperaturen um die 25 Grad.

Zurück zur Reise: wir fahren quer durch die Masuren. Die dritte Nacht in Polen verbringen wir auf dem Gelände der Wolfsschanze. Es hat etwas bedrückendes, hier, inmitten der Trümmer zersprengter Bunker, zu stehen. Wir lesen uns ein in die Geschichte der Wolfsschanze, beschäftigen uns mit dem missglückten Attentat von Graf von Stauffenberg und nehmen wohlwollend zur Kenntnis, dass die Polen begonnen haben, dieses Gebiet langsam wieder würdig und geschichtserklärend zu präsentieren. Die Privatisierung des Geländes hatte dazu geführt, dass es eher einem skurillen Nazirummel glich. Rundfahrten im Panzer, Schießübungen in SS-Uniform vor den Exekutionswänden und der Verkauf von „original“ Kriegsequipment waren nur Teil dieses würdelosen Schauspiels.

Für uns geht es weiter in Richtung Heimat. Hinter Swinemünde erreichen wir Deutschland. Wir fahren immer an der Küste lang bis nach Peenemünde.  Auch hier tauchen wir erneut ein wenig in die Geschichte des Dritten Reichs ein. In Peenemünde liegt „die Wiege der Raumfahrt“. Und damit ein weiteres dunkles Kapitel unserer Geschichte. Es ist schon erschreckend, dass die meisten bahnbrechenden Erfindungen der Geschichte zunächst zur Vernichtung von Menschenleben entwickelt wurden. Nicht nur wegen der Eindrücke unserer dunklen Geschichte macht sich bei uns so etwas wie Schwermut breit. Wir nähern uns dem Ende unserer Reise. Im Spreewald besuchen wir noch einen ehemaligen Schulkollegen von Marion und verbringen einen schönen Abend mit seiner Familie. Im Naturparkzentrum Wanninchen bestaunen wir am Folgeabend den Zug von tausenden Kranichen, Gänsen und Staren. Was für ein Schauspiel im Licht der untergehenden Sonne.

Ein kleines Highlight zum Schluss sollte dann noch ein Überraschungsbesuch in Dresden sein. Meine Jugendfeuerwehr befand sich dort für eine Woche in ihrer Herbstfreizeit. Und natürlich haben wir uns dann mal zum Grillabend dort eingefunden. Wir können wirklich stolz auf unseren Nachwuchs sein.

Zwei Tage später sind wir wieder zuhause. Nach 91 Tagen endet Going-East dort, wo es begonnen hat: vor unserem Zuhause in Blankenstein. Ganz still, ohne viel Tamtam. So wollten wir es. Wir stoppen den Motor und lassen eine außergewöhnliche Auszeit von unserem normalen Lebensalltag Revue passieren. Was haben wir nicht alles erleben dürfen. Die Reise verlief in Teilen anders als geplant. Wir durchlebten Höhen und ebensolche Tiefen. Hat die Reise uns verändert? Vielleicht. Hat sie sich gelohnt? Ohne Zweifel ja. Wir sind so voll an Geschichten, Erlebnissen, Abenteuern, dass wir es noch gar nicht richtig sortieren und verarbeiten können. Eines steht für uns fest: Reisen in dieser Form leistet mehr für die Völkerverständigung als alle Politiker dieser Welt. Wir haben unzählige Begegnungen bis hin zu großen Freundschaften in unserem Reisefundus. Und Bilder in unserem Kopf, die keine Kamera so wiedergeben kann. Es lohnt sich, sich auf die andere Seite des Fernsehers zu begeben. Den Mut zu haben, das Außergewöhnliche zu wagen. Sich einzulassen auf das Wagnis Leben.

Wie geht es nun weiter mit dem Greenroverlandy? Was das Auto betrifft: noch keine Ahnung. Wir werden sehen, ob es möglich ist, ihn wieder TÜV-konform auf die Straße zu bringen. Und ob wir es uns leisten können. Was uns betrifft: wir werden uns wieder unserem Alltag widmen. Vieles ist liegengeblieben und will aufgearbeitet werden. Wir werden wieder dem geregelten Leben nachgehen. Der Wecker klingelt morgens um Fünf und lässt die altbekannten Rituale starten. Ist es schwer, nach einer solchen Reise zurückzukehren? Wir werden sehen…

Und jetzt seid Ihr gefragt: wie geht es weiter mit unserem Onlineauftritt des Greenroverlandys und der Aufarbeitung dieser Reise? Besteht hin und wieder Interesse an neuen Bildern und Geschichten? Würdet Ihr euch einen Multivisionsvortrag wünschen? Oder ein Buch über Going-East? Oder sollten wir es besser gut sein lassen und diese Art der Selbstdarstellung nervt Euch eher?

Wir sind gespannt auf Eure Reaktionen. Und wir möchten DANKE sagen. Die unzähligen Kommentare, emails und Nachrichten, all die guten Ratschläge und aufbauenden Worte, all die Hilfe unterwegs von Menschen, die uns nie zuvor gesehen haben: wir sind schwer beeindruckt und unendlich dankbar.

Das Abenteuer beginnt, wo alle Pläne enden!

Marion, Frank und Benny

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