Marions Gedanken zum aktuellen Pestfall in der Mongolei.

Man sieht sich immer zweimal? Ich hoffe nicht!

In Deutschland kennt man die Pest nur noch durch Geschichten aus dem Mittelalter, tatsächlich in Europa nicht mehr existent. Der letzte dokumentierte Fall stammt aus dem zweiten Weltkrieg. Trotzdem werden auf der Welt durch die WHO 1000-3000 Fälle meist kleiner Epidemien registriert.
Eine Infektionskrankheit, übertragen durch Nagetiere und Tröpfcheninfektion auf den Menschen. Allerdings, wenn rechtzeitig erkannt, mit Antibiotika heutzutage heilbar.

Warum erzähle ich (Marion) Euch das?

Als Frank und ich 1994 mit unserem eigenen Auto durch Indien reisten, brach just zu dieser Zeit die größte Pestepidemie der Neuzeit dort aus!
So wirklich mitbekommen haben wir die Anfänge nicht wirklich. Indien zu bereisen ist, insbesondere auch noch mit dem eigenen Auto, sehr anstrengend gewesen und hat uns oft bis an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht. Zur damaligen Zeit gab es kein Internet, wo man sich mal kurz hätte informieren können.
Zu dem Zeitpunkt befanden wir uns in Delhi. Die Buschtrommeln unter den Globetrottern erzählten zwar von Pest, aber für uns war irgendwie nicht vorstellbar, was das bedeuten konnte.
Da wir auf dem Landweg von Indien zurück nach Deutschland reisen wollten, hatten wir bei der pakistanischen Botschaft ein Visum beantragt. Dies war kein Problem, Pässe und Visum wollten wir am nächsten Tag in Empfang nehmen.
Ja, und dann war sie da, die Pest am nächsten Tag. Und wir bekamen zu spüren, was das genau für uns bedeutete. Die pakistanische Botschaft blieb geschlossen und unsere Pässe waren weg.
Jede Diskussion mit der Security der Botschaft blieb ohne Erfolg.
Also auf zur Deutschen Botschaft! Als wir auf den Botschafter warteten, wurde uns das Ausmaß erst einmal wirklich bewusst. Auf dem Tisch im Wartebereich lag „Die Welt“ mit der Überschrift „ Der schwarze Tod“ Pest in Indien. Ok, damit war klar: 1. es gibt ein wirkliches Problem, 2. wir müssen mal ein Fax nach Hause schicken, dass es uns gut geht. Ja, ein Faksimile zur Feuerwehr Hattingen war damals unser einziger Kommunikationsweg in die Heimat.

Die Deutsche Botschaft hat dann für uns die Pässe aus der Pakistanischen Botschaft befreit.
Nach mehreren Gesprächen, planen und umplanen war dann irgendwann klar: die für uns einzige Möglichkeit war die Ausreise nach Nepal, um dort abzuwarten, wie sich die Lage weiter entwickelt. Das haben wir dann auch getan, irgendwann hat sich alles wieder beruhigt. Wir sind nach Indien zurückgekehrt und haben dann das Auto von Madras nach Deutschland verschifft, da die Zeit für den Landweg nicht mehr reichte.

Gestern berichtet die „Siberian Times“, dass aufgrund von 2 Todesfällen durch Pest die Grenze im Westen der Mongolei zu Russland geschlossen wurde. 158 Personen stehen in der Grenzstadt unter Quarantäne, da der Verdacht besteht, dass sie mit den Toten in Kontakt waren. Da ist sie wieder, die Pest – unfassbar-.

Positiv ist: es sind noch 76 Tage bis zum Start der Reise. Bis wir in der Mongolei dann ankommen sind nochmals einige Wochen ins Land gezogen.
Wir gehen davon aus, dass alles unter Kontrolle bleibt und wenn es dann soweit ist, der Grenzposten die Schranke für uns öffnen wird. Aber, wie immer auf solchen Reisen: es bleibt spannend – think positiv –

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