Per What‘sApp haben mich ein paar Fragen eines lieben Bekannten erreicht. Auch die gefürchtete Frage nach dem Warum 😉.

„Die Mongolei geht mir nicht aus dem Kopf! Wie macht Ihr das? Fahrt Ihr allein? Auf Achse? Wie lange? In welcher Zeit? Was ist an Vorbereitung nötig? Warum Mongolei!“

Nachfolgend der Versuch einer Antwort.

Die ersten Fragen sind schnell beantwortet. Es geht nach langer Zeit mal wieder auf große Reise. So wie früher, vor den Kindern. Und eigentlich so wie immer, gut 20 Jahre auch mit den Kindern. Nun ja, vielleicht schon ein wenig komfortabler, denn eine Wohnkabine mit festem Bett, Toilette und Küche hatten wir bis dato eher nicht. Aber hinein in die Einsamkeit, in unbekannte Länder und Kulturen, mit Geländewagen, Zelt, Rucksack und viel Abenteuerlust, das war schon immer, seit über 35 Jahren, unsere Leidenschaft.

„Wie macht ihr das?“ Eigentlich ganz einfach. Es zulassen, dass Träume sich manifestieren. Daran festhalten. Von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Planen, manchmal Jahre lang. Widerstände, Neid und Missgunst als Herausforderung verstehen. Überhaupt: Mut und Neugier sind die Schlüsselbegriffe. Und keine Angst vor dem Fremden, dem Unbekannten. Medien, Politiker, Demagogen, rechte Hetzköpfe und ewig Gestrige vermitteln uns oft nur einen Teil der Wahrheit. Und manchmal nicht einmal das. Auf unzähligen Reisen in der ganzen Welt überwiegen bei weitem die positiven Erlebnisse und Bekanntschaften. Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind interessanterweise gerade in den Kulturen am tiefsten verankert, vor denen wir uns am meisten fürchten.

“Fahrt ihr alleine?“ Immer wenn es irgend möglich ist reisen wir allein. Selten nur ich, meist mit Marion, unserem Hund und besonders gerne, aber natürlich immer seltener, mit unseren phantastischen Kindern. Diese Reise stellt uns vor eine besondere Herausforderung. Mit Benny begleitet uns unser Goldendoodle auf einer Reise durch voraussichtlich 18 Länder. Das wird spannend. Und um die mit der Frage nach dem „alleine reisen“ meistens implizierte Frage „Ist das nicht gefährlich?“ gleich mit zu beantworten: na klar, so wie unser ganzes Leben. Aber mit Augenmaß, guter Vorbereitung und der nötigen Sensibilität lässt sich das Risiko deutlich minimieren. Und als Feuerwehrmann und Realist habe ich eh ein besonderes und antrainiertes Gefahrenbewusstsein. Es warnen uns übrigens die selben Bekannten vor den Gefahren einer solchen Reise, die zuhause weder Rauchmelder noch Feuerlöscher haben, deren „Erste-Hilfe-Wissen“ meist Jahrzehnte zurück liegt und die bedenkenlos zu übermüdeten Bus- oder Taxifahrern steigen, auf Weihnachtsmärkte und Großkonzerte marschieren und sich täglich den Gefahren des Straßenverkehrs und der Hausarbeit aussetzen. Und wo passiert statistisch am meisten? Nun, sicher nicht beim Wildcampen in der Mongolei oder Sibirien…

„Auf Achse?“ Ja klar. Und da sind wir auch schon beim derzeit größten Kosten- und Zeitfresser. Unser Landy ist 15 Jahre alt, hat 315.000 km auf der Uhr und muss uns am Rande seiner 3,5t-Belastungsgrenze über 30.000 Kilometer sicher transportieren. Und ein Großteil der Kilometer sind nicht „Straße“ in unserem Sinne… Gemeinsam mit dem Schrauber meines Vertrauens wird seit Wochen das ganze Auto auf den Kopf gestellt. Die legendäre britische Ingenieurskunst setzt uns hierbei täglich in Erstaunen. An dieser Stelle können wohl nur Defenderfahrer wahres Verständnis und Mitgefühl zeigen. Aber wir sind auf der Zielgeraden. Gestern gab es ein neues Fahrwerk und einen Frontgeräteträger mit Seilwinde. Davor wurde der Landy komplett entkernt, entrostet, gespachtelt und amateurhaft beilackiert, bekam neue Scharniere, neue Reifen, einen Zusatztank und diverse Offroad-Gimmicks. Dank meiner autodidaktischen Fähigkeiten und einem Offroad-Schrauberkurs kann ich nun auch ein Getriebe in der Wüste Gobi zerlegen. Oder auch nicht. Ich hoffe nicht, dass ich es ausprobieren muss. Werkzeuge und Ersatzteile sind gebunkert. Sandbleche, Schaufeln und Bergetools verstaut. In den nächsten Wochen geht es dann an unsere sehr alte Ormocar-Kabine. Auch hier ist noch einiges zu tun. Schließlich ist sie demnächst für 3 Monate und in der Zukunft hoffentlich noch öfter unser bescheidenes Zuhause.

„Wie lange? In welcher Zeit?“ 3 Monate, 13 Wochen, 92 Tage, 2.200 Stunden, 7.948.800 Sekunden. Oder mit anderen Worten: viel zu kurz. Die Reise „Going East“ in 3 Monaten bedeutet auch, dass wir eine durchschnittliche Fahrleistung von etwa 330 Kilometern pro Tag vor uns haben. Verbunden mit unzähligen Grenz-, Militär- und Polizeikontrollen, bürokratischen Herausforderungen, umfassender Reisedokumentation, zu erwartenden Pannen und Reparaturen sowie all den anderen Unwägbarkeiten einer solchen Reise eine wahrlich kurze Zeit. Und doch: für jeden normalen Berufstätigen, wozu wir natürlich auch zählen, gleichzeitig eine sehr lange Zeit, ja geradezu eine Auszeit. Und wie ist das möglich: bei uns beiden angesparter Jahresurlaub, unzählige Überstunden und der gute Wille und die Unterstützung unserer Arbeitgeber, Kolleginnen und Kollegen. DANKE dafür!

„Was ist an Vorbereitung nötig?“ Ich glaube, aus dieser Frage bastle ich mal einen eigenen Blogbeitrag. Oder nein, noch besser: ich schreibe ein Buch darüber. Genug Stoff bekommt man zusammen. Nur soviel: die grundsätzliche Idee zur Reise begleitet uns seit vielen Jahren. Wirklich präzise Planungen begannen vor gut einem Jahr und für etwa 6 Monate dreht sich unsere komplette (bescheidene) Freizeit nur noch um die Reise. Das Planen der Reiseroute, die politische und touristische Entwicklung in den zu bereisenden Ländern, die Beobachtung der Sicherheitslage, das Planen und Beantragen von Visa und internationalen Dokumenten, Recherchearbeit und Kontakte knüpfen. Die Aufzählung lässt sich nahezu unbegrenzt fortführen. Nur soviel: zum Ende hin (Stand heute noch 82 Tage) wird die Zeit trotzdem knapp. Und die Reisekasse rutscht schneller ins Minus als gedacht. Und wir sind nicht einmal losgefahren… Und ja, bisher läuft alles ohne Sponsoren. Dabei haben wir soviel freie Werbefläche auf unserem Greenroverlandy. Und das Fernsehen wird berichten.  Und sympathische Menschen sind wir eh. Und… Ach lassen wir das.

Wie geht’s weiter. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

„Warum Mongolei?“ Mhm, warum nicht? Die Welt ist riesengroß, bunt und spannend. Ein Menschenleben ist da viel zu kurz. Also gilt es zu filtern. Was ist möglich auf Grundlage der zur Verfügung stehenden Zeitfenster, des Finanzbudgets und weiterer sozialer Rahmenparameter wie Familie, Arbeitgeber etc. Was sind die persönlichen Referenzen: für uns sind es Landschaften, Weite und Einsamkeit, Autarkie und Minimalismus, fremde Kulturen, und immer wieder Wüste und Berge. Und ein wenig Abenteuerlust. „Going East“ ist aber soviel mehr als nur die Mongolei, auch wenn diese unser östlichstes und somit weit entferntestes Reiseland ist und mit der Wüste Gobi eines meiner ältesten Fernwehziele besitzt. Die endlosen Weiten Sibiriens und der Baikalsee, die ehemaligen sowjetischen Republiken Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan mit gewaltigen Steppen und Wüsten, dem Tien-Shan-Gebirge und dem Pamir-Highway, auf den Spuren der alten Seidenstraße nach Samarkand. Es gibt so unendlich viel zu entdecken, es sind so unglaubliche und gewaltige Landschaften auf unserer Route, dass man es kaum in Worte fassen kann.

Wir werden dokumentieren und berichten. Wann immer möglich von unterwegs. Und wenn alles so kommt wie geplant, natürlich auch in der Folge in Vorträgen und Texten. Und wenn es anders kommt als geplant? Dann berichten wir natürlich erst recht. Stay tuned.

„Die Welt ist ein Buch, und wer nicht reist, liest davon nicht eine einzige Seite.“ Augustinus Aurelius.

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